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Tor- und ereignisreiches Saisonende in Geesthacht

Maximilian Kochsiek (drei Treffer, li.), mit 35 Buden Torschützenkönig 2017/18, verabschiedete ebenfalls seinen Freund Thorben Joost. Foto: Mathias Merk
Maximilian Kochsiek (drei Treffer, li.), mit 35 Buden Torschützenkönig 2017/18, verabschiedete ebenfalls seinen Freund Thorben Joost. Foto: Mathias Merk

 

                                    "Es ist das letzte Saisonspiel, in dem es für beide Mannschaften um nichts mehr geht“, haben wir gesagt. „Die Begegnung wird garantiert von allen Beteiligten nicht mehr wirklich für voll genommen“, haben wir gedacht. Doch rund um die Partie am vergangenen Sonntag beim FSV Geesthacht folgte ein Ereignis auf das Nächste. Womit aber nicht nur die hart und sehr fair geführten Zweikämpfe und die insgesamt neun gefallenen Tore gemeint sind…

 

Morgens trafen wir uns mit ein paar Leuten an unserem Platz, um wie gewohnt das Material und die Trikots einzupacken. Auf den Rest der Mannschaft sollten wir dann in Geesthacht stoßen. Das Wetter war bombastisch und die gute Laune riesig. Aber leider zunächst nur bis wir ins Auto gestiegen und losgefahren sind. Denn gerade erst wenige Tage zuvor vermeldeten wir, dass unser Torwart Thorben Joost sich doch gegen einen Wechsel und für den Verbleib beim OSV entschied. Nun kam in diesem Moment die Nachricht: „Thorben wird uns doch verlassen“. BAMM. Das hat gesessen. Ein Glück waren es noch gut 20-25 Minuten bis nach Geesthacht. Zeit genug, um darüber nachzudenken. Allerdings war schnell klar, dass man zwar sehr enttäuscht war aber Thorben nicht böse sein konnte. Immerhin spielen wir in den untersten Ligen des Amateurbereichs und nicht in der Bundesliga. Der Spaß soll und muss an erster Stelle stehen. Dazu aber später mehr und in einem gesonderten Bericht ausführlicher.

 

Am auswärtigen FSV-Stadion angekommen, trafen wir auf den Trainer, der feststellte, dass wir personell sehr dünn besetzt sein würden. Mit Marcel Meyer und Mike Meyer saßen lediglich zwei angeschlagene Spieler auf der Bank. Als Dritter Auswechselspieler gesellte sich deshalb Co-Trainer Alexander Kaya mit dazu, der später auch noch für eine kleine Randstory sorgen sollte. Doch zuerst gab es aufgrund der personellen Lage den Moment für Rückkehrer Patryk „Butze“ Marg, der uns aus privaten Gründen im Winter verließ aber nun seit zwei Wochen wieder mit der Mannschaft trainierte. Vorsorglich brachte der Innenverteidiger seine Spielutensilien mit, in die er dann auch schlupfen durfte, um sein Comeback auf dem Feld zu feiern. Herzlichen Willkommen zurück, Butze!

Daniel "Taka" Otremba trifft bereits in der zweiten Minute. Foto: Mathias Merk
Daniel "Taka" Otremba trifft bereits in der zweiten Minute. Foto: Mathias Merk

Sechs Treffer im ersten Durchlauf

Dann war es soweit: Die Mannschaften liefen ein. Nein doch nicht. Was passierte da am Spielfeldrand? Wow! Hut ab vor dem Team des FSV Geesthacht.

Statt ganz normal mit unseren Jungs auf den Platz einzulaufen, bildeten die Hausherren links und rechts eine Reihe, damit sie dem neuen Meister dadurch Respekt und Anerkennung zollen konnten. Unser Team lief durch das Spalier während sie von allen Seiten Applaus bekamen und abgeklatscht wurden. Eine echt tolle und freundschaftliche Geste der Gastgeber, deren Kapitän bei der Seitenwahl auch noch eine Flasche „Captain Morgan“ als zusätzliches Geschenk überreichte. Wir fühlten uns wirklich sehr geehrt. Nochmals danke dafür nach Geesthacht!

 

Dann begann das Spiel, das garantiert „ganz locker“ werden sollte. War jedenfalls die Annahme einiger Zuschauer, die jedoch schnell eines Besseren belehrt wurden. Denn bereits nach 34 Sekunden hätte es fast in unserem Kasten geklingelt, doch Joost verhinderte den Einschlag. Praktisch fast im Gegenzug machte es Daniel „Taka“ Otremba besser, als er einen tollen Pass im Lauf annahm, auf den Kasten zulief und nach 62 gespielten Sekunden den OSV mit 1:0 in Führung schoss. Dieses schnelle Tor hatte aber noch lange nichts zu bedeuten. Denn auch die Hausherren spielten frei auf und wurden in der Folge deshalb während der ersten Halbzeit auch immer wieder sehr gefährlich. Ein ums andere Mal musste sogar Schlussmann Joost in seinem letzten Einsatz für den OSV nochmal sein Können unter Beweis stellen, was ihm natürlich sehr gut gelang. Doch dann kam die Szene für den Rückkehrer Patryk Marg, der bis zu diesem Zeitpunkt noch genauso in der Abwehr alles rausputzte, wie man es von ihm vor seiner halbjährigen Pause gewohnt war. „Butze“ zeigte eine echt tolle Leistung und krönte sie mit einem Vorstoß aus der eigenen Hälfte bis zum gegnerischen Sechzehner. Der Verteidiger war einfach nicht aufzuhalten und bediente mit einem Traumpass Maximilian Kochsiek, der dank dieser guten Vorbereitung keine große Mühe hatte, das Leder ins Gehäuse zu bugsieren, womit er den Vorsprung auf 2:0 erhöhte (17.). Allerdings war die Freude nur von kurzer Dauer, da im direkten Gegenzug Patrick Hiob für seine Geesthachter traf.

 

Als nächstes gab es dann aber erneut für uns einen Grund zum Jubeln, denn: Es „Müllerte“ wieder! Nicklas Frers, der aufgrund seiner sehr ähnlichen Spielweise wie Thomas Müller dessen Nachnamen als Spitznamen hat, traf in der Zeit, in der der FSV auf den Ausgleich drängte, zu unserer Erleichterung zum 3:1 und stellte damit den alten Vorsprung wieder her (32.). Kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit folgte dann sogar noch ein Doppelschlag, sodass wir mit einer 5:1-Führung in die Pause gingen. Zuerst erhöhte Maxi Kochsiek mit seinem zweiten Treffer in der 44. Minute auf 4:1, bevor Nicklas „Müller“ Frers den Halbzeitstand markierte Dabei eroberte Frers den Ball in der eigenen Hälfte und setzte dann zu einem 75-Meter-Sprint an. Von der Coachingzone rief Trainer Simon Gottschling seinem Schützling begleitend zu: „Nimm Dein Tempo mit und nutz´ es aus. Nimm das Tempo mit!“ Genau das tat der flinke Offensivspieler und war bis zum Sechzehner einfach nicht zu stoppen. Dort stellten sich ihm dann zwei Gegenspieler und der Torwart entgegen. Doch „Müller“ wackelte einmal, zweimal gekonnt mit der Hüfte und setzte dann aus 14 Metern den Ball unhaltbar mit einer Wahnsinns Schusstechnik an die Unterkante der Latte, von wo er zum 5:1 ins Netz flog. Ein tolles Tor!

Co-Trainer Alex Kaya kam, sah und traf. Anschließend zeigte Kaya den mit Abstand schönsten Jubel. Foto: Mathias Merk
Co-Trainer Alex Kaya kam, sah und traf. Anschließend zeigte Kaya den mit Abstand schönsten Jubel. Foto: Mathias Merk

Tor mit Ansage und Tor ohne "Wart"

Das nächste nennenswerte Ereignis trug sich in der 57. Minute zu, als Co-Trainer Alexander Kaya für den verletzten Chis Meier eingewechselt wurde. Kurz bevor sich Kaya aufwärmte, witzelte er: „Sollte der Fall eintreten, dass ich ins Spiel muss, werde ich auf jeden Fall auch ein Tor machen.“ Nun galt es, diesen großen Sprüchen auch Taten folgen zu lassen. Dabei überzeugte Kaya zunächst mit einigen guten Dribblings an den Außenbahnen, bekleidete aber keine feste Position. Genau das machte ihn so gefährlich, was schließlich dazu führte, dass er mit einer butterweichen Flanke Maxi Kochsiek bediente, der sich mit dem Kopf freistehend die Ecke aussuchte und nicht nur seinen dritten Treffer sondern dadurch auch das 6:1 markierte. Das Spiel war gelaufen und Kaya hatte zumindest seinen Assist, den er für sich verbuchen durfte. Aber das war ja nicht das, was er ankündigte. Deshalb kam es, wie es kommen musste: In der 86. Minute rannte der Co-Trainer bei einer Flanke in die Gefahrenzone und legte sich mit seinem Schädel voraus quer in die Luft. Tatsächlich traf er mit diesem Flugkopfball die Pille so genau, dass der Einschlag zu unserem 7:1 nicht mehr zu verhindern war. Kaya stand auf, riss sich sein Trikot vom Leib, schleuderte es durch die Gegend und zeigte einen Torjubel, der den des Weltstars Cristiano Ronaldo ähnelte, aber auch einen Hauch von Mario Balotelli, als dieser im EM-Halbfinale 2012 die deutsche Nationalelf abschoss, hatte. So vereinte Kaya gleich zwei „Legenden“.

 

Apropos Legende: Wir hatten da ja NOCH unseren Thorben Joost im Kasten, bei dem klar war, dass dies die letzten Minuten für ihn sein sollten. Deshalb klärte Marcel Meyer bereits während des Spiels in der ersten Hälfte mit den Gegnern, den Fans und dem Schiedsrichtergespann ab, dass Mike Meyer (Feldspieler) in den letzten Minuten für den Schlussmann eingewechselt wird, um Joost noch einen gebührenden Abgang zu schenken. Den bekam er dann auch. Während seiner Auswechslung rannten alle Spieler auf ihn zu, umarmten ihn zunächst, verteilten dann aber auch noch eine gehörige Portion Nackenschläge. Natürlich alles nur auf freundschaftlicher Ebene. Die Fans sangen und feierten den Torwart auch noch nach dem Spiel  für seine bisher geleisteten Dienste in den schwarz-roten Vereinsfarben.

 

Ach und was noch nebenbei zu erwähnen ist: Natürlich musste der gelernte Stürmer Mike Meyer im Kasten wenigstens einmal hinter sich greifen, sodass wir die Partie letzten Endes mit 7:2 gewannen.