· 

Mit 2:2 in Barsbüttel „verloren“ – Aber es ist okay!

Letzten Endes war die Partie in Barsbüttel sehr ausgeglichen. Foto: Mathias Reß
Letzten Endes war die Partie in Barsbüttel sehr ausgeglichen. Foto: Mathias Reß

 

Die Partie beim Barsbütteler SV ging nicht verloren und trotzdem fühlte es sich so an. Denn eine unglückliche Szene in der Nachspielzeit führte dazu, dass der angepeilte Sieg kurz vor Schluss doch noch hergeschenkt wurde. Aber so wie die Spieler anschließend, nach einem sicherlich nicht guten Spiel, von Zuschauern teilweise zurechtgewiesen wurden, war ebenfalls keine Glanzleistung. Man sollte nicht vergessen, dass wir ein Bezirksliga-Neuling sind und nicht mehr in der Kreisliga auflaufen….

 

Vor gut einer Woche rief ein Pressevertreter an, um sich über das Spiel gegen den SC Schwarzenbek (6:0-Sieg) zu erkundigen. Am Ende des Gesprächs gab es dann, wie so häufig, noch mal die Nachfrage bezüglich unseres Saisonziels. Presse: „Bleibt ihr bei eurer Zielsetzung, nur einen einstelligen Tabellenplatz erreichen zu wollen?“ OSV-Sprecher Mathias Reß: „Natürlich bleiben wir dabei. Denn viele Umstände führen dazu, dass einige Spieler noch nicht fit genug sind oder nur unregelmäßig trainieren können. Somit ist die Zielsetzung, im ersten Jahr einen einstelligen Tabellenplatz erreichen zu wollen, gar nicht verkehrt. Wir warten mal die ersten sieben Spiele ab und dann sehen wir, in welche Richtung es geht.“ Presse: „Dann wartet ihr vom OSV mal noch ab. Wir reden jetzt schon darüber, dass ihr ein Aufstiegskandidat seid.“

 

Es gibt in Hamburgs Osten kaum noch einen Ort, an dem man nicht darauf angesprochen wird, dass die Mannschaft auf jeden Fall ein Aufstiegskandidat in der Bezirksliga Ost ist. Klar würden sich das einige unserer Spieler wünschen. Unsere Akteure besitzen zum größten Teil einen ausgeprägten Wettkampfcharakter. Aber intern sind wir uns einig, was wir wollen. Und das ist im ersten Jahr nach dem Aufstieg aus der Kreisliga nicht das, was andere Hamburger Fußballinteressierte uns fast schon teilweise einreden und aufdrängen wollen. Denn das Team muss erstmal fit werden und sich aufeinander einspielen. Dass das bei elf Neuzugängen noch nicht richtig funktionieren kann, wurde im Auswärtsspiel am Freitagabend beim Barsbütteler SV mehr als deutlich.

Die Spieler wissen selbst, was sie verbessern können und kommunizieren. Foto: Mathias Reß
Die Spieler wissen selbst, was sie verbessern können und kommunizieren. Foto: Mathias Reß

 

Mal klare Worte

Gut war das, was das OSV-Team auf das Parkett brachte, nämlich wirklich nicht. Aber es muss auch mal die Kirche im Dorf gelassen werden. Wie schon mal gesagt: Wir befinden uns ganz am Anfang der Saison. In einer gewissen Findungsphase. Und wenn sich am Ende das erreichte 2:2 aufgrund der Schlussphase zwar wie eine Niederlage anfühlte, dürfen gewisse Fakten jedoch nicht vergessen werden: Wettbewerbsübergreifend ist die Mannschaft bei zwei Siegen (einer davon sogar verdient gegen den Oberligisten aus Meiendorf) und nun einem Unentschieden weiterhin ungeschlagen. Nach zwei Partien in der für uns NEUEN Bezirksliga bedeutet das vier Punkte und sehr wahrscheinlich am Ende des Spieltags den dritten Platz. So what! Das ist doch prima für den Anfang! Wir sind nicht mehr in der Kreisliga, dass wir weiterhin die Berechtigung hätten, so erfolgsverwöhnt zu sein. Lasst die Jungs doch mal Fußball spielen. Wir werden sehen, was nächsten Sommer dabei herauskommt. Jeder Einzelne von ihnen hat einen enormen Siegeswillen. Und wenn sie für sich unterm Strich mehr erreichen wollen, als das, was rund um die Mannschaft gewünscht wird, dann werden sie das gemeinschaftlich im Team schaffen. Ganz sicher. Wenn nicht, dann wird es eben das, was wir als Ziel ausgegeben haben.

 

Weshalb diese ganzen Zeilen in einem Spielbericht? Weil sie leider nötig sind, da es nach dem Spiel in Barsbüttel, nach Meinung des Schreiberlings dieses Textes, zu viel negative Reaktionen auf die Mannschaft gab, was auch damit zusammenhing, dass zu viele Menschen von außerhalb der Meinung sind, dass wir in die Landesliga wollen und dann nach der Partie solche Sprüche rufen wie zum Beispiel: „Ihr wollt doch weiter hoch! Mit solch einer schlechten Leistung wird das aber nichts.“ Oder: „So spielt doch kein potentieller Aufsteiger“. Moment! Wir werden in diese Position eines potentiellen Aufsteigers gesteckt und nicht umgekehrt. Und wenn die Mannschaft mal nicht so einen guten Tag hat, dann kann man doch froh darüber sein, dass die Partie trotzdem nicht verloren ging. Außerdem stehen ein super Coach und ein super Co-Trainer zur Verfügung, die das ganz sicher ordentlich mit der Truppe aufarbeiten werden.

Youssef Sbou (li.) war mit einem Tor und einem Assist an beiden Toren beteiligt. Foto: Mathias Reß
Youssef Sbou (li.) war mit einem Tor und einem Assist an beiden Toren beteiligt. Foto: Mathias Reß

OSV geht zweimal in Führung

 

 

Zum Spiel: In der ersten Halbzeit war der BSV sehr gut eingestellt und bewegte sich gefühlt mit zwei Fünferketten so in der eigenen Defensive, dass es für uns kein wirkliches Durchkommen gab. Damit lockten die Hausherren uns oftmals aus unserer Hälfte heraus und setzten dann zu Kontern an, die zum größten Teil aber auch von unserer Abwehr abgefangen werden konnten. Die komplette erste Halbzeit war fast ereignislos, weil sich der Verlauf hauptsächlich im Mittelfeld abspielte. Lediglich zwei Schüsse von Barsbüttel und ein Schuss von unserem OSV waren alle nennenswerten Szenen bis zur letzten Aktion vor dem Pausenpiff, als sich Adrian Voigt im Mittelfeld den Ball schnappte und anschließend Eddy Örün schickte. Der Sturmtank drang im Strafraum ein, und bediente mit einer flachen Hereingabe von rechts den mitgelaufenen Youssef Sbou. Der Barsbütteler Keeper kam an den scharfen Pass nicht ran, sodass Sbou die Pille aus drei Metern zur 1:0-Führung in das verwaiste Gehäuse drücken konnte (45.+).

 

Eigentlich spricht man in solchen Fällen von einem „psychologisch wichtigen Zeitpunkt“ für einen Tore-Vorsprung. Nur leider blieben die Gastgeber davon völlig unbeeindruckt. Denn direkt mit der ersten Aktion nach dem Wiederanpfiff glichen die Barsbütteler aus. Eine Flanke von der linken Seite und ein Kopfball reichten um in der 46. Minute zum 1:1 zu treffen. Doch das Spiel mit dem Schädel beherrschen auch einige unserer Akteure. In der 71. Minute brachte sich Innenverteidiger Revin Köksal während einer Standardsituation mit im gegnerischen Strafraum ein. Nach der Freistoß-Ausführung von Youssef Sbou stieg „Revo“ vor dem Kasten am höchsten und traf mit seinem Kopf passend in den rechten Winkel. Wir führten also wieder. 

Revin Köksal (am Ball) wurde zur tragischen Figur. Foto: Mathias Reß
Revin Köksal (am Ball) wurde zur tragischen Figur. Foto: Mathias Reß

 

Wechselbad der Gefühle für Köksal

Die Freude war groß und tatsächlich wurde diese Begegnung für die letzte Viertelstunde doch noch mal so etwas wie ein Fußballspiel. Die Kicker des Barsbütteler SV machten ihre Abwehrreihen auf und drängten auf den Ausgleich. Dieses Anrennen in der Schlussphase kam tatsächlich etwas überraschend, was unsere Jungs im Gegenzug aber dann auch gut umsetzten. Ein Zuschauer sagte zu diesem Zeitpunkt am Feldesrand: „Hier passiert noch was. Entweder wird der OSV den Deckel draufsetzen oder Barsbüttel gelingt der Ausgleich.“ Leider sollte er mit dem Zweiten Teil seiner Vorhersage Recht behalten: Es lief schon die Nachspielzeit, als die Hausherren über einen ruhenden Ball ein weiteres Mal in unsere Gefahrenzone kamen. Dabei flog die Pille sehr scharf und hoch vor das Tor, so, dass unser Torschütze Revin Köksal sogar noch zur tragischen Figur wurde. Denn während eines, in der Situation notwendigen, Klärungsversuches aus dem Gewühl im Strafraum heraus, versuchte Köksal die Pille ins Toraus zu köpfen. Dabei rutschte dem Verteidiger das Spielgerät allerdings so unglücklich über seinen Schädel, dass sich die Kugel zu früh senkte und im rechten Winkel des eigenen Gehäuses einschlug. Somit stand es nur noch 2:2 Unentschieden. Kurze Zeit später ertönte der Abpfiff.