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Da Ma(r)g man gar nicht hinsehen – Nervenaufreibender Rückrundenauftakt in Schwarzenbek

Foto: Mathias Reß
Foto: Mathias Reß

 

Vor dem Spiel in Schwarzenbek erwähnten wir bereits im Vorbericht, dass unsere Gastgeber eigentlich frei aufspielen könnten, auch wenn für sie in ihrer Tabellenregion jeder Punkt Gold wert ist. Am Ende hätte für sie in einem hitzigen Duell, in dem der Schiedsrichter, und darin waren sich beide Seiten nach dem Schlusspfiff im Austausch einig, eine klare Linie total vermissen ließ, sogar mehr herausspringen können. Einem bestimmten Akteur ist es dabei besonders zu verdanken, dass wir dennoch ganz „dreckige“ drei Punkte einfahren konnten. Außerdem gab es insgesamt vier Platzverweise, wovon mindestens zwei mehr als fragwürdig gewesen sind.

 

Eines müssen wir an dieser Stelle mal festhalten: Egal wie viel Hitze und Emotionen später während des Spiels auftraten, erfuhren wir von Schwarzenbeker Seite im Vorwege eine wirklich tolle Gastfreundschaft. Das fing schon ein paar Tage zuvor an, als wir eine echt liebe Nachricht mit dem Hinweis erhielten, dass die Umstände, nach dem Brand von vor drei Jahren, leider noch immer nicht die Besten seien und die Kabinen, Toiletten und Duschen in kleinen Containern sind. So wussten wir Bescheid und konnten uns darauf einstellen. Auch die Freundlichkeit nach unserer Ankunft war sehr ausgeprägt. Vom Schwarzenbeker Trainer bis zum Team im Verkaufsstand schenkte uns einfach Jeder ein Lächeln. Es war zu spüren, dass dort großen Wert auf Gastfreundschaft gelegt wird. Dafür sagen wir auch an dieser Stelle einfach mal DANKE!

Innenverteidiger Revin Köksal, Foto: Mathias Reß
Innenverteidiger Revin Köksal, Foto: Mathias Reß

Revin Köksal mit Licht und Schatten

 

Zur Partie: Schaut man sich nur die Fakten an, die am Ende bleiben (fünf Tore, vier Platzverweise) sieht das, was da los war, nicht wirklich gut aus. Allerdings hatte, auch wenn wir nicht bestreiten können, dass sowohl von außen als auch auf dem Platz viel „Politik“ betrieben wurde, der Schiedsrichter keinen wirklich guten Tag. Doch gehen wir das mal chronologisch vor: Die erste Viertelstunde war unser Spiel. Wir dominierten das Geschehen auf dem Feld, weshalb wir auch schon in der siebten Minute verdient in Führung gingen. Unser Innenverteidiger Revin Köksal rückte bei einem Eckball, der von der Schwarzenbeker Defensive zunächst abgewehrt wurde, mit nach vorne in den Strafraum auf. Eddy Örün, der Standardschütze, bekam den Ball auf die rechte Seite zurück, wo er diesen unter Kontrolle brachte und erneut hoch vor den Kasten flankte. Köksal sprang am höchsten und nickte zu unserer Führung ein (7.). Nach etwas über einer Viertelstunde war er es aber auch, der bei einer Standardsituation für die Schwarzenbeker in der Gefahrenzone ein Foul beging, was einen Strafstoß für die Hausherren bedeutete. Bei der Ausführung witterte Torwart Thorben Joost zwar die richtige Ecke, jedoch kam er an den perfekt geschossenen Elfer nicht ran, sodass der Ausgleich in der 17. Minute feststand.

Von dem Moment an war zu erkennen, dass der SCS „Lunte roch“, eventuell etwas reißen zu können. Er hielt nicht nur dagegen, sondern spielte fortan kräftig mit. Die Gastgeber standen nun nicht nur kompakter, sie spielten zudem viel geordneter, womit unser Team nicht so richtig klar zu kommen schien. Wenn wir es uns einfach machen würden, würden wir sagen, dass uns ein Spiel auf Naturrasen nicht liegt (die Partie beim ASV Bergedorf 85 gaben wir gänzlich aus der Hand). Oder, dass der Schiedsrichter den Faden verlor, was im weiteren Verlauf eigentlich auch so war. Oder wir erwähnen einfach, dass am 11.11. um 11:11 Uhr der Karnevals-Beginn in manchen Regionen Deutschlands gewesen ist. Aber: Wir brauchen nicht nach Ausreden suchen! Wir müssen uns auch mal eingestehen, dass die gezeigte Leistung stark verbesserungswürdig war. Denn das, was dann kam, war nicht das, was wir uns erhofften.

Eddy Örün sieht rot. Foto: Mathias Reß
Eddy Örün sieht rot. Foto: Mathias Reß

Angreifer Eddy Örün sieht nach einer halben Stunde die rote Karte

 

Zwar brachten unsere Männer immer wieder Vorstöße zustande, aber zu gefährlichen Abschlüssen kam es dann lange nicht mehr. Zu einfach ließen wir uns unsere entstehenden Chancen zunichtemachen, für Konter waren wir plötzlich anfällig und über die fehlenden Zuordnungen brauchten wir uns gar nicht erst unterhalten. Zudem ließen wir uns plötzlich zu Fouls hinreißen, wie wir sie in dieser Art und Weise von unserer Mannschaft so gar nicht kennen. Für viel Gesprächsstoff sorgte allerdings in der 32. Minute das harte Einsteigen eines Schwarzenbekers gegen Morad Sbou. Denn als sich dieser dann über unseren am Boden liegenden Mittelfeldspieler beugen wollte, kam Eddy Örün hinzu, um die beiden einfach zu trennen, damit die Situation nicht noch schärfer wird. Dabei schob Örün den Gegenspieler, nicht übertrieben und nicht geschupst, am Oberkörper zur Seite. Völlig überzogen war jedoch, dass dann beide Mannschaften angerannt kamen, um sich einzumischen, was sich glücklicherweise schnell wieder auflöste. Aber auch völlig überzogen war die dann folgende Schiedsrichterentscheidung. Nach Rücksprache mit dem Assistenten gab es sowohl für den Schwarzenbeker Spieler, als auch für Örün die rote Karte. Der Gegner bekam sie für sein Einsteigen gegen Morad Sbou, wobei Gelb absolut gereicht hätte und Eddy Örün soll den SCS-Akteur mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben, was jedoch überhaupt nicht stimmte. Noch während der Partie standen beide Akteure friedlich am Seitenrand und konnten sich ihre Platzverweise nicht erklären. Dabei bestätigte der SCS-Kicker, dass Örün die Tat, die ihm vorgeworfen wurde, nicht beging. Zusammengefasst: Zwei Platzverweise, die so nicht hätten sein dürfen, worin sich abermals beide Teams einig waren.

Butze Marg wird zum Matchwinner. Foto: Mathias Reß
Butze Marg wird zum Matchwinner. Foto: Mathias Reß

Verteidiger Marg rettet vorne und hinten mehrfach

 

Bis Mitte der zweiten Halbzeit wurde sich dann wieder auf Fußball konzentriert. Geholfen hat dabei sicherlich der nach dem Wiederanpfiff frühe Treffer durch Adrian Voigt, als der Stürmer nach einer starken Vorarbeit von Maximilian Grünberg aus sechs Metern zur erneuten Führung für unseren OSV traf (50.). Jedoch gelang den Hausherren 22 Zeigerumdrehungen später wieder der Ausgleich. Dieser Treffer zum 2:2 war das Resultat eines perfekt ausgespielten Konters über die rechte Seite. Der finale Pass in die Zentrale vor den Strafraum hätte auch nicht besser ankommen können. So lief der Torschütze unserer Abwehr davon und netzte ein. Dann kam aber, in der Schlussphase die immer hektischer, lauter und aggressiver wurde (wofür sich echt keine Seite freisprechen darf, da absolut von allen Seiten Provokationen kamen: Egal ob von Spielern, von Zuschauern auf dem Wall oder von Vereinsangehörigen) die Zeit unseres Innenverteidigers Butze Marg. Erst rettete er, als unser Keeper bereits geschlagen war, auf der Torlinie und dann brachte Marg uns mit einem Kopfball, nach einer Ecke von Danny Qasem in der 84. Minute zum dritten Mal in Führung. Der Defensivspezialist glänzte einfach überall.

 

Damit war es aber noch lange nicht gegessen. Denn als Maximilian Grünberg in der 87. Minute nach einem wiederholten Foulspiel auch noch mit der Ampelkarte vorzeitig vom Platz gestellt wurde, gab der SCS noch mal so richtig Gas. Wir waren nur noch darauf bedacht, die knappe Führung zu verteidigen und über die Zeit zu bringen. Die Hausherren machten hingegen selbst in der Nachspielzeit jede Menge Druck und erspielten sich tatsächlich noch mehrere Standardsituationen, in denen auch der Keeper mit in unseren Strafraum vorrückte, um eine noch bessere Überzahl zu schaffen. So kam es, dass sich Marg in der fünften und siebten Minute der Nachspielzeit weiter auszeichnete, als er auch in diesen Situationen beide Male auf der Torlinie einen erneuten Ausgleich verhinderte. Marg war ganz eindeutig der „Mann des Spiels“. Ohne ihn hätten wir dieses Match sicher nicht gewonnen. Nach sechseinhalb Minuten Zugabe pfiff der Unparteiische dann endlich ab und wir durften durchatmen, denn das war wirklich ein knapper Sieg, der jede Menge Nerven kostete. Dass der Keeper aus Schwarzenbek mit dem Schlusspfiff noch die gelbe und gelb-rote Karte direkt hintereinander sah, passte zur an diesem Tag nicht gefundenen Linie des Schiedsrichters.